Patienten mit HIV und viszeraler Leishmaniose behandeln: Klinische Studie der Phase III startet in Äthiopien, um zwei neue Therapien zu testen

[Gondar, Äthiopien und Genf, Schweiz, 6. Oktober 2014]
Mit dem Ziel, die extrem schwierige Behandlung von Patienten zu verbessern, die mit viszeraler Leishmaniose (VL) und HIV koinfiziert sind, hat das internationale Forschungskonsortium AfriCoLeish – sechs Forschungsorganisationen aus Ostafrika und Europa – eine klinische Studie der Phase III in Äthiopien begonnen. Getestet werden: die Behandlung mit einer Kombination aus AmBisome® und Miltefosin und zum anderen die Behandlung ausschließlich mit AmBisome®. Zum ersten Mal werden so die Empfehlungen der WHO zur Behandlung von HIV-VL-Koinfektionen in Afrika mit einer randomisierten klinischen Studie überprüft. Im Nordwesten Äthiopiens, in Gondar und Abdurafi, werden derzeit Patienten als Studienteilnehmer rekrutiert. Die Region zählt weltweit zu den am stärksten von der Koinfektion betroffenen Gebieten.
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Sowohl HIV/Aids als auch die Infektionskrankheit viszerale Leishmaniose (VL) greifen das Immunsystem der Patienten an und sind ohne Behandlung tödlich. Während beide Erkrankungen einzeln inzwischen behandelbar sind, stellt die Behandlung von Patienten, die mit VL und HIV koinfiziert sind, eine große Herausforderung dar. Das Risiko an VL zu sterben, ist für HIV-Infizierte neun Mal höher als für andere Patienten. Zugleich beschleunigt VL das Fortschreiten der HIV-Infektion. Auch die Rückfallraten koinfizierter Patienten sind höher: So erkrankt jeder zweite behandelte Patient innerhalb eines Jahres nach Therapiebeginn erneut an VL. Das heißt, die Heilungsraten für VL sind bei Koinfizierten deutlich niedriger.

HIV-VL-Koinfektionen treten inzwischen in 35 Ländern in Südeuropa, Ostafrika, Lateinamerika und dem indischen Subkontinent auf und werden weltweit zu einem immer größeren Problem. In Afrika ist der Nordwesten Äthiopiens eine der am meisten betroffenen Regionen: Zwischen 20 und 40 Prozent der Patienten mit VL sind auch HIV-positiv.

„Patienten zu behandeln, die zugleich mit HIV und viszeraler Leishmaniose infiziert sind, ist ein harter Kampf für das Gesundheitspersonal. Forschungsergebnisse zeigen, dass wir Therapien finden müssen, die sowohl wirkungsvoller als auch sicherer sind“, sagt Koert Ritmeijer, Gesundheitsexperte von Ärzte ohne Grenzen.

„Es wird ein großer Fortschritt für unsere Patienten sein, wenn wir wirksamere Therapien mit einer effektiven Prophylaxe verbinden können, um Rückfällen vorzubeugen. Heute müssen sie noch fürchten, dass diese Krankheiten, die einzeln behandelbar wären, ihr Todesurteil bedeuten, wenn sie zusammen auftreten. Wir müssen alles tun, um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel Migranten, angemessen versorgen zu können“, sagt Dr. Ermias Diro, Studienleiter in Gondar.

In der klinischen Studie der Phase III, die jetzt in Gondar und Abdurafi begonnen hat, werden die Wirksamkeit und Sicherheit zweier Therapien überprüft:

a)      einer Kombinationstherapie aus AmBisome® (30mg/kg Gesamtdosis) und Miltefosin (50mg oder 100mg/Tag, abhängig vom Gewicht des Patienten) sowie

b)      der Therapie ausschließlich mit AmBisome® (40mg/kg Gesamtdosis).

Die Dauer der Behandlung beträgt 28 Tage, sofern ein Patient am Tag 29 negativ auf VL-Parasiten getestet wird. Der Patient erhält dann ein Medikament zur Sekundärprophylaxe, um einem erneuten Auftreten von VL vorzubeugen. Die Follow-up-Phase beträgt ein Jahr. Insgesamt sollen 132 Patienten in die Studie aufgenommen werden.

„Viszerale Leishmaniose, vor allem in Ostafrika, ist eine der am stärksten vernachlässigten tropischen Krankheiten. Indem das Forschungskonsortium sich in seiner Arbeit auf die Koinfektion mit HIV konzentriert, leistet es einen entscheidenden Beitrag dazu, diese tödliche Krankheit in einem der schwierigsten endemischen Gebiete sowie einem ihrer kompliziertesten Aspekte zu bekämpfen“, sagt Dr Jorge Alvar, Leiter des Leishmaniose-Programms bei DNDi.

Die klinische Studie wird durchgeführt von: DNDi (Sponsor), Ärzte ohne Grenzen/MSF Holland (Co-Sponsor); University of Gondar (UoG), Äthiopien; Institut für Tropenmedizin (ITM),  Antwerpen, Belgien; London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM), Großbritannien.

Die klinische Studie wird gefördert von: Europäische Union (EU FP7),  Schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Schweiz; Ärzte ohne Grenzen; Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Deutschland; Medicor Foundation, Liechtenstein; private Geldgeber.

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Die Studie:

  • Übergeordnetes Ziel: Die Identifizierung einer wirksamen und sicheren Behandlung der VL bei Patienten, die mit HIV koinfiziert sind.
  • Studiendesign: Eine offene, randomisierte Parallel-Gruppen-Studie.
  • Behandlungsplan:
    • AmBisome® Monotherapie: 40mg/kg Gesamtdosis: Intravenöse Infusion 5mg/kg an Tag 1-5, 10, 17, 24.
    • Kombinationstherapie: AmBisome®: 30mg/kg Gesamtdosis, intravenöse Infusion 5mg/kg an Tag 1, 3, 5, 7, 9, 11 und Miltefosin: täglich für 28 Tage 50mg/Tag (für Patienten, die weniger als oder aber genau 25 kg wiegen) und 100 mg/Tag (für Patienten, die mehr als 25 kg wiegen).
  • Behandlungsdauer:
    • Die Behandlungsdauer beträgt 28 Tage bzw. 56 Tage im Fall einer verlängerten Behandlung (wenn Gewebeproben am Tag 29 noch positiv auf Parasiten getestet werden und es dem Patienten gut geht). Werden keine Parasiten mehr nachgewiesen, erhalten die Patienten eine Sekundärprophylaxe: Pentamidin (4mg/kg) als intramuskuläre Injektion oder intravenöse Infusion für einen Monat, und eine einjährige Follow-up-Phase folgt. Patienten, die nach 29 Tagen Behandlung sehr geschwächt sind, erhalten eine Notfall-Therapie.
  • Der für die Studie benötigte Bedarf an AmBisome® wird von Gilead und der an Pentamidin von Sanofi gespendet.

 

Viszerale Leishmaniose (VL oder Kala Azar):
Die Viszerale Leishmaniose zählt zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten. Sie wird von Leishmania donovani oder L. infantum hervorgerufen. Pro Jahr erkranken schätzungsweise 300.000 Menschen an der Infektionskrankheit, die unbehandelt zum Tode führt. Ca. 40.000 Menschen sterben jährlich an VL. Rund 90 Prozent der Fälle treten im Sudan, in Äthiopien, Kenia, Bangladesch, Indien, Nepal und Brasilien auf. VL geht mit lang anhaltendem Fieber und Splenomegalie einher. Die gängigen Therapien sind fünfwertige Antimone (Sodiumstiboglukonat (SSG) und Megluminantimonat), AmBisome®, Miltefosin und Paromomycin (PM).


AfriCoLeish:
www.africoleish.org
Das international Forschungs- und Entwicklungs-Konsortium AfriCoLeish wird vom siebten Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union (EU FP7) mit Fördergeldern in Höhe von drei Millionen Euro unterstützt. Ziel des Projektes ist es, neue Therapien für viszerale Leishmaniose (VL, auch Kala-Azar genannt) in Ostafrika zu testen, sowie für Patienten in Äthiopien, die mit HIV und viszeraler Leishmaniose koinfiziert sind.

AfriCoLeish stellt einen Zusammenschluss von sechs Organisationen aus Europa und Ostafrika dar, die über weitreichende Expertise und Erfahrungen in Forschung und Entwicklung sowie der Behandlung von HIV und VL verfügen. Die Partner sind:

  • Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi): www.dndi.org
  • Institut für Tropenmedizin (ITM) in Antwerpen: www.itg.be
  • London School of Hygiene & Tropical Medicine: www.lshtm.ac.uk
  • Ärzte ohne Grenzen (MSF-Holland): www.msf.org
  • Institute for Endemic Diseases, Universität von Khartum (IEND), Sudan: www.iend.uofk.edu
  • University of Gondar (UoG), Äthiopien:  www.uog.edu.et


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