DNDi gratuliert den Nobelpreisträgern für Medizin, die die Auszeichnung für ihre grundlegenden Entdeckungen im Kampf gegen Malaria, Flussblindheit und lymphatische Filariose erhalten

[Genf, Schweiz – 5 Oktober 2015]
Forderung: Lücken in Forschung und Entwicklung von Therapien für vernachlässigte Patienten müssen geschlossen werden
Die Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi) gratuliert den drei Trägern des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin 2015, die heute vom Nobel-Komitee am Karolinska-Institut in Stockholm verkündet wurden. Die Forschung der renommierten Wissenschaftler William C. Campbell, Satoshi Omura und Youyou Tu wurde zur Grundlage von Therapien gegen  parasitische Wurmerkrankungen – der  Elefantiasis (lymphatische Filariose) und der Flussblindheit (Onchozerkose), die Patienten schwer beeinträchtigen – sowie gegen die weltweit tödlichste Parasitenerkrankung Malaria.

„Der diesjährige Nobelpreis geht an drei Parasitologen, die ihr Forscherleben der Behandlung von Krankheiten gewidmet haben, die arme Bevölkerungsgruppen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen betreffen. Dies zeigt, dass Forschung und Entwicklung einen ganz konkreten und sehr bedeutsamen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit leisten können“, sagte Dr. Bernard Pécoul, Geschäftsführer von DNDi.  „Die Entwicklung von zwei fixen Malaria-Kombinationspräparaten durch DNDi und seine Partner wurde erst mit Artemisinin möglich und deckte einen dringenden Bedarf. Leider sind solche Behandlungsansätze eher die Ausnahme als die Regel.“

Es ist unbestritten, dass die Wirkstoffe Ivermectin und Artemisinin für die Bekämpfung der Flussblindheit, der lymphatische Filariose und von Malaria eine große Rolle gespielt haben. Eine umfassende Analyse der Pipeline für Forschung und Entwicklung im Bereich der vernachlässigten Krankheiten zeigt jedoch, dass nach wie vor große Forschungslücken bestehen.

Massenbehandlungsprogramme gegen die Flusskrankheit, bei denen Ivermectin eingesetzt wird, können bis zu 15 Jahre lang dauern. Sie ermöglichen keine endgültige Heilung der Patienten, weil sie nur die jungen Fadenwürmer im Körper der Patienten abtöten, während die erwachsenen Würmer weiterleben. Um auf dem Erfolg von Ivermectin aufzubauen und Patienten dauerhaft zu kurieren, ist ein Medikament notwendig, das die erwachsenen Würmer (Makrofilarien) abtötet. DNDi und Partner arbeiten derzeit daran, ein solches sogenanntes Makrofilarizid zu entwickeln.

DNDi begrüßt die heute Entscheidung des Nobel-Komitees und hofft, dass sie eine neue Generation von Forschern inspirieren wird, sich dem Feld der vernachlässigten Krankheiten zu widmen. Wir hoffen zudem, dass sie die Verantwortlichen im öffentlichen Gesundheitswesen ermutigt, Innovationen und Zugang zu Medikamenten für vernachlässigte Patienten voranzutreiben. Die heutige Auszeichnung wird noch lange nachwirken und zeigen, dass Innovationen nicht nur denjenigen vorbehalten sein sollten, die dafür zahlen können.

Über die Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi)
Als eine Not-for-profit-Forschungs- und Entwicklungsorganisation arbeitet  DNDi an neuen Behandlungen für vernachlässigte Krankheiten, insbesondere gegen Leishmaniose, die Schlafkrankheit, die Chagas-Krankheit, spezielle Fadenwurmerkrankungen, HIV/Aids bei Kindern, das Myzetom und Hepatitis C.

Seit der Gründung im Jahr 2003 hat DNDi sechs neue Behandlungen zur Verfügung gestellt: zwei fixe Kombinationstherapien gegen Malaria (ASAQ and ASMQ), diese Aktivitäten gingen kürzlich an die ‚Medicines for Malaria Venture‘ über; die Nifurtimox-Eflornithin-Kombinationstherapie (NECT) für das fortgeschrittene Stadium der Schlafkrankheit; die Kombination aus Natriumstiboglukonat  und Paromomycin (SSG&PM) für Kala Azar in Afrika; eine Auswahl an Kombinationstherapien gegen viszerale Leishmaniose in Asien; Benznidazol in pädiatrischer Dosierung gegen die Chagas-Krankheit.

DNDi hat regionale, krankheitsspezifische Plattformen in jenen Ländern aufgebaut, in denen diese Krankheiten vorkommen. Dadurch sollen  Partner vor Ort zusammen geführt und vorhandene klinische Forschungskapazitäten gestärkt werden, sowie – wo nötig – neue Kapazitäten geschaffen werden.

www.dndi.org